2012 - Student Exchange Report - University College Ghent, School of Arts, Ghent - Scherrer Remo

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Scherrer Remo, Animation, 2. Bachelor 14. August 2012, Erasmus in Gent, 5. Februar - 6. Juli 2012


Organisatorisches generell

Als ich mir im September 2010 die Erasmusinformationsveranstaltung der Hochschule Luzern von Andrea Moor angeschaut hatte wurde mir schlagartig klar, dass ich einen solchen Austausch mit meinem Studium kombinieren und die Chance, einige Monate in einem fremden Land zu leben, wahrnehmen musste. Ich klärte ab, für welches Semester es Sinn machen würde einen Austausch anzugehen. Aufgrund der Erfahrungen der Projektmodule im vergangenen Frühlingssemester entschied ich mich, noch relativ unabhängig von der zahlreichen Auswahl der Austauschländer und deren noch unbekannten Modulen, für das Frühlingssemester 2012.

Ich setzte mich mit Andrea Moor in Verbindung und informierte mich über Schulen, las Erfahrungsberichte und traf mich mit Erasmusabsolventen. Ich liebäugelte mit Krakau, Edinburgh, Paris, Tallinn und Bogota. Bald musste ich konkreter werden und herausfinden, was ich mir von einem Austausch erhoffte, um eine genauere Auswahl zu treffen. Ich erstellte ein Portfolio und bewarb mich für die Gobelins in Frankreich und Tallinn in Estland. Es folgten zwei Absagen aufgrund fehlender Partnerschaft oder differenzierten Vorstellungen von Austauschdauer. So war ich erst mal etwas demotiviert, da mir keine andere Partnerschule mehr richtig zugesagt hatte und nebst Abgabestress von laufenden Modulen auch das Gefühl hatte mit neuen Bewerbungen eher spät dran zu sein. Die nächsten Tage führte ich einen inneren Kampf und ich konnte nicht ruhen, ehe ich nicht alles probiert hatte, um nicht doch noch einen lohnenswerten Aufenthalt zu bekommen. Ich wandte mich nochmals an Andrea Moor und schilderte mein Anliegen unbedingt einen Austausch machen zu wollen. Ich erfuhr, dass eine relativ junge Partnerschaft zwischen Gent in Belgien und Luzern bestehe und die Anmeldefrist noch nicht ausgelaufen sei. Nach kurzer Abklärung und folgender Portfoliofanorderung bewarb ich mich unmittelbar und bekam ca. 1,5 Wochen später positiven Bescheid

Unterkunft und Lebenssituation

Ich suchte erst selbständig auf http://sgmenhuizen.he nach einer Unterkunft, bekam jedoch eher über die Universität einen Kontakt mit einem Angebot auf eine schöne Studiowohnung, die ich dankend annahm. Die oben angegebene Internetseite ist jedoch sehr zu empfehlen und hat so manchem internationalen Studenten weitergeholfen.

Der Normalpreis eines Zimmers liegt bei ca. 350-450 Euro monatlich. Für mein Studio bezahlte ich jedoch stolze 415 Euro. Zwischen Bahnhof und Zentrum, zwischen Schule und einem grossen Park gelegen, konnte die Lage jedoch kaum idealer sein. Es geht auf jeden Fall billiger, eine Mitstudierende bezahlte zum Beispiel nur 230 Euro. In Gent fährt man Velo und ist eigentlich innert 10-15 Minuten überall, wobei es eine perfekte Lage in diesem Sinne gar nicht gibt. Die Kulturstadt hat sehr viel zu bieten und wenn man die Zeit hat, oder sie sich gerne nimmt, dann erlebt man meist fantastische gratis Konzerte von Jazz, Blues, Rock oder Pop oder tummelt sich in Museen und interessanten Ausstellungen.

Beurteilung des Gesamtprogramms des Aufenthalts

Zu Beginn des Aufenthalts organisierte die Hochschule Gent einen Infotag mit Mittagsverpflegung. Was ich sehr empfehlen kann um mit Leuten in Kontakt zu treten. Was anfangs etwas verklemmt und schüchtern wirkte, entspannte sich schnell beim anschliessenden freiwilligen Sportprogramm wieder. Die jeweilig zuständige Fakultät versorgte einen mit hilfreichen Informationen und Angeboten und stellte das Tutorat vor, an welche man sich nach Bedarf wenden konnte. Der nächste Termin galt dem vom Erasmus Koordinator geführten Rundgang an der unglaublich grossen und imposanten KASK (httplikask.hment.ben, in der sich unter anderem die Fakultät Animation befindet. Nach Erhalt meines persönlichen Stundenplans, wurde ich bereits in meine Klasse geführt. Meine Klasse war sehr hilfsbereit und freundlich und unterstützte mich gerne. Unterstützt wurde ich ausserdem mit Stipendien und einem Zuschuss von 212 Euro monatlich. Belgien ist ungefähr etwa gleich teuer wie die Schweiz, so dass man mit ähnlichen Ausgaben rechnen kann.

An der KASK hat es mir im Allgemeinen gut gefallen. Ein wunderschönes Gebäude, einem ehemaliges Krankenhaus aus irgendeinem früheren Jahrhundert mit grossen, hellen Ateliers. Geboten wurde ein breites Spektrum an Wahlfächern , den sogenannten Keuzevakken, in denen man unabhängig von Studienfach einmal die Woche alles, von Theater, bis Aktzeichnen, über Steinhauen bis hin zu Modedesign, machen kann. Schon bald stand mein Learning Agreement fest und mein Stundenplan war definitiv. Es stellte sich dann jedoch heraus, dass die dort angegebenen Zeiten nicht wirklich streng eingehalten werden, sondern meist als Konsultationstermine gelten und man recht frei in seinem Kommen und Gehen ist. Hier ein Eindruck:

Montags: Atelier Animationsfilm 3, von vier Dozenten betreut. Am Nachmittag Sound Design.

Dienstag: Wahlfächer, für mich morgens Animation Modeling, was grundsätzlich nichts anderes als Aktzeichen in 2 Minutenphasen war, wofür man bis Ende Semester eine kleine Animation aus einem ausgewählten Bild hervorgehend fertigen konnte. Nachmittags Skizzenbuch zeichnen, wobei es mehrheitlich ums Personenskizzieren ging und man sich mal im Altersheim, Schwimmbad, Markplatz, Ikea oder am Kanal hingesetzt hat und einen Nachmittag lang gezeichnet hat, mit anschliessender Besprechung.

Mittwoch: Atelier Animationsfilm 3.

Donnerstag: Aniamtionsfilm 4 und am Nachmittag Aktzeichnen.

Freitag: Animationsfilm 4 am Nachmittag Animationsgeschichte.

Es wird also sehr viel gezeichnet und das Niveau ist dementsprechend hoch, was mich persönlich sehr gefordert hat. Die KASK setzt jedoch voll und ganz auf Ästhetik und übt sich seltener im Storytelling. Sie haben eine relativ klare Vorstellung von Bildästhetik und probieren die Studenten klar auf ihre Schiene zu bringen. Andernfalls wiederholt man das Semester, oder muss gar die Schule wechseln. Der wesentlichste Unterschied zwischen Gent und Luzern ist wohl, dass die Belgier sich mit dem Bachelorabschluss Künstler nennen dürfen, wobei wir hingegen uns dann schon eher Animatoren zu nennen wagen. Wer sich also z.B. mehr für freie Kunst, Illustration oder Grafikdesign interessiert, sollte sich auf jeden Fall auf der oben aufgeführten Webseite der KASK umschauen, denn für diese Bereiche gibt es auch Klassen.

Persönliche Beurteilung des Aufenthaltes

Ich denke ein Auslandaufenthalt bringt einen persönlich weiter unabhängig davon, wo er stattfindet. Man muss seinen Alltag neu organisieren, ihn mit einer Fremdsprache bewältigen und ist automatisch selbständiger als in der Heimat. Im schulischen Rahmen habe ich unerwartete Dinge dazu gelernt. Ich habe viel gearbeitet und bin grosse Herausforderungen angegangen, auch wenn das Resultat nicht immer gut ausfiel, was persönlich sehr hilfreiche Erfahrungen gewesen sind.

Die kulturelle Stadt Gent mit seinem Charme hat mir sehr gut gefallen. Ich füllte die gering ausgebliebene Freizeit mit Uni-Sportangeboten, grossen Velotouren ans Meer, Musik und Open Airs. Leider musste ich augenblicklich nach Semesterabschluss heimreisen und verpasste die zahlreichen grossen Stadtfeste von Gent.